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Die Spartakist-Arbeiterpartei veröffentlicht hier ein Flugblatt der Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall vom 8. März. Die SpAD unterstützt ihren Kampf und fordert alle anderen Linken und Organisationen der Arbeiterbewegung dazu auf, dies ebenfalls zu tun und den gerechten Kampf der Autoarbeiter-Gruppe überall bekannt zu machen.

Unser BR-Vorsitzender hat 2x innerhalb einer Woche den Werkleiter (WL) aufgefordert, den „Betriebsfrieden“ wiederherzustellen. Das ist ein kaum verhüllter Aufruf, disziplinarisch gegen Kandidaten der Liste 2 vorzugehen. Wie tief muss man sinken! Der Frieden im Betrieb ist schon lange gestört! Er könnte wiederhergestellt werden, indem der Stellenabbau gestoppt wird.

Diese Eskalation ist das neueste Kapitel in der langen Geschichte von Versuchen, Opposition im Werk mundtot zu machen. Viele Kollegen fragen sich, warum es keine Personenwahl gibt - auch deshalb, weil sie solche BR-Vorsitzenden direkt abwählen möchten. Die Verantwortung dafür trägt Fevzi Sikar. Nach Gutsherrenart wurde die Reihenfolge der Kandidaten auf der „Offenen Liste“ festgelegt. Die zahlreichen Kollegen, die die aktuelle BR-Mehrheit und die IGM-Führung kritisch sehen, hätten sich mit abgeschlagenen Listenplätzen begnügen sollen. Wenn dann - z.B. kurz vor Fristende im Auftrag der WL - irgendjemand eine Liste einreicht, hätten kämpferische Kollegen keine Chance gehabt, in den BR einzuziehen. Forderungen nach einer Urwahl unter IGM-Mitgliedern, die die Reihenfolge auf einer IGM-Liste festgelegt hätte, wurden abgebügelt. Kurzum: Wenn man sicherstellen wollte, dass Kritik im BR vertreten ist, war man gezwungen, eine Liste einzureichen.

Aber letztendlich sehen wir die Art der Wahl als zweitrangig an. Die inhaltlichen Standpunkte sind entscheidend! Wie positionieren sich die Listen zu den brennenden Problemen, mit denen wir Autoarbeiter derzeit konfrontiert sind? Wenn ihr gegen Stellenabbau und für eine kämpfende IG Metall seid: Wählt Liste 2 (Alternative/Faire Basis)!

1. Deindustrialisierung

Die deutsche Autoindustrie befindet sich in einer Strukturkrise. Um ihre Profite zu sichern, sehen die Autobosse keinen anderen Ausweg, als uns Arbeiter dafür bezahlen zu lassen. Nach Jahrzehnten von Reallohnverlusten und Verschlechterungen unserer Arbeitsbedingungen geht es jetzt an unsere Existenzgrundlage. Wir haben Betriebsräte gewählt, damit sie unsere Interessen vertreten. Unser erstes Interesse ist, auch morgen noch einen Arbeitsplatz zu haben. Wir brauchen keine BRs, die den Stellenabbau ermöglichen, indem sie „sozialpartnerschaftlich“ miese Deals mit dem Management aushandeln. Wir brauchen Betriebsräte, die felsenfest für den Erhalt jedes Arbeitsplatzes stehen.

In dieser wichtigen Frage konnte jeder Kollege in der Praxis sehen, wie sich unsere BRs positioniert haben. Die BRs der „Offenen Liste“ applaudierten bei Zielbild 1 und ZuSi2035. Dann handelten sie Zielbild 2.0 aus. Das ermöglicht eine Reduzierung unserer Mannschaft von ehemals 3.600 auf bis zu 1.000. Die Listenführer von Liste 2 hingegen zeigten Rückgrat und stellten sich gegen Zielbild 2.0. Sie verweigerten im Betriebsrat ihre Zustimmung und bewiesen damit, dass sie trotz Drohungen der WL für die Interessen der Kollegen kämpfen. Sie stellten klar, dass sie keiner Maßnahme zustimmen werden, die die Lage von uns Arbeitern verschlechtert.

2. IG Metall: Stillhalte-Politik oder Kampforganisation?

Kämpferische BRs sind bitternötig. Aber das allein reicht nicht. Den Stellenabbau werden wir nicht stoppen, wenn wir hier isoliert bleiben. Wir brauchen einen industrieweiten Kampf gegen Deindustrialisierung! Dafür wurden Gewerkschaften gegründet. Mit der derzeitigen Stillhalte-Politik der IGM-Führung von Wolfsburg bis Schwäbisch-Gmünd wird das aber nichts. Die IGM braucht eine Neuausrichtung. Sie muss Kampfmethoden anwenden, die Arbeiterinteressen mit allen Mitteln durchsetzen. Die Zeit von PR-Aktionen ist vorbei.

Wie stehen unsere BRs dazu? Sind sie nur Papageien der IGM-Spitze oder sind sie überzeugt, dass Schluss sein muss mit Co-Management? Treten sie ein für einen Kurs in der IGM, der sie wieder zu einer Kampforganisation macht? Auch in dieser Frage sprechen sich viel mehr Kandidaten der Liste 2 viel eindeutiger für einen kämpferischen Kurs aus. Unsere Petition, die von der IGM die Vorbereitung von unbefristeten Streiks gegen den Stellenabbau fordert, stieß bei ihnen auf überwältigende Zustimmung.

Sie wurde auch von (bedeutend weniger) Kandidaten und BRs der Liste 1 unterzeichnet. Einige äußerten in Gesprächen sogar, sie seien gegen Zielbild 2.0. Aber dann solltet ihr offen Stellung beziehen! Im Moment kandidiert ihr auf einer Liste, die für Stellenabbau und Co-Management steht - und werdet von kämpferischen Kollegen auch so wahrgenommen.

Den Kandidaten auf Liste 2, die sich mit (berechtigtem) Frust von der IGM abgewendet haben, raten wir: Tretet wieder ein und helft mit, sie zu einer Kampforganisation zu machen!

3. Haltung zu Regierung und Bossen

Manch ein engstirniger BR-Vorsitzender wird spotten: ,,Das sind doch hier nicht die Bundestagswahlen.“ Aber wir wollen wissen: Wie stehen unsere BRs zur herrschenden Politik, die uns Autoarbeitern das Leben schwer macht. Was willst du mit BRs anfangen, die voll auf Regierungslinie sind?! Uns wird gesagt, dass die Rahmenbedingungen nun mal so sind und wir das hinnehmen müssen. Dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen wegen Pandemie, Ukraine, Klimawandel, Transformation usw. Wenn das unsere BRs und IGM-Führer auch denken, wundert es nicht, dass sie keinen Finger für uns rühren. Für aufrechte Gewerkschafter sollte es selbstverständlich sein, gegen die Kriege unserer Herrschenden (bzw. ihrer Herren in Washington) einzutreten - von Venezuela über Gaza bis Iran.

  • Opposition zum NATO-Kurs gegen Russland! Schluss mit Aufrüstung und Wiedereinführung der Wehrpflicht! Keine Waffen an Ukraine und Israel!
  • Opposition zur EU, die massig Verlagerungen ermöglichte!
  • Schluss mit Leiharbeit/Werkverträgen! Keine Spaltung!
  • Schluss mit grüner Transformation! Technologieoffenheit!
  • Nie wieder Schikanen gegen Ungeimpfte am Arbeitsplatz!

Werden wir all diese Probleme in Marienfelde lösen? Natürlich nicht! Aber eine Lösung, die im Interesse von uns Arbeitern sein soll, muss aus den Betrieben kommen. Dort liegt die Macht, die wirklich etwas verändern kann.

Wählt Liste 2 (Alternative/Faire Basis)!

—Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall

Wir sind eine Gruppe von kämpferischen Kollegen aus unterschiedlichen Werksbereichen. In unseren Reihen findet ihr Arbeiter und Arbeiterinnen unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Zu uns zählen sowohl einfache IG-Metall-Miglieder als auch Vertrauensleute und Betriebsräte.