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https://iclfi.org/pubs/spk/2026-ig-metall

Die Spartakist-Arbeiterpartei veröffentlicht hier ein Flugblatt der Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall vom 14. Juni. Die SpAD unterstützt ihren Kampf und fordert alle anderen Linken und Organisationen der Arbeiterbewegung dazu auf, dies ebenfalls zu tun und den gerechten Kampf der Autoarbeiter-Gruppe überall bekannt zu machen.

Die IG-Metall-Oberen möchten von uns wissen, was unsere Gewerkschaft fordern sollte? Für die Teilnahme an der Befragung am 16.06. locken sie uns mit Eis-Gutscheinen. Viele Kollegen fühlen sich veräppelt und wie Kleinkinder behandelt. Als ob die IGM-Führung nicht weiß, was in den Betrieben los ist. Um es klar und deutlich zu sagen, die Stimmung ist überall auf dem Tiefpunkt. Wir werden abgewickelt, und unsere eigene Gewerkschaft verkauft und verrät uns auf Schritt und Tritt. Das muss sich ändern! Statt Eis-Gutscheinen erwarten Kollegen von ihrer Gewerkschaft einen ernstzunehmenden Kampf für ihre Interessen. Wir denken, im ganzen Land müssen alle notwendigen Mittel aufgefahren werden, um folgende Forderungen durchzusetzen. Schreibt sie auf die Befragungszettel oder gebt ihnen dieses Flugblatt!

  • Deindustrialisierung stoppen: Kampf um jedes Werk und jeden Arbeitsplatz!
  • 800€ Festbetrag pro Monat mehr bei einer Laufzeit von 1 Jahr!

Aber das reicht nicht! Statt die Regierung zu unterstützen, muss die IGM endlich - jetzt, in dieser Tarifrunde - in Konfrontation zur ganzen herrschenden Politik und deren arbeiterfeindlichen Agenda gehen und sich auf die Fahnen schreiben:

  • Weg mit allen Spritsteuern (Energiesteuer, Mwst., CO2-Abgabe)!
  • Zur Hölle mit der grünen Transformation! Weg mit dem Verbrenner-Verbot!
  • Schluss mit der Konfrontation gegen Russland!
  • Nein zu NATO, Kriegskurs und Aufrüstung!
  • Weg mit den Sanktionen!

Bei der medienwirksamen Show-Veranstaltung zum Start der AFM-Produktion ist es Kollegen letzte Woche übel aufgestoßen, dass der AFM an sich zwar bei uns gefertigt wird, die Herstellung der kompletten elektrischen Antriebseinheit (EDU) aber an Schaeffler ausgelagert wurde. Warum? Wo doch unser Werk dringend Arbeit braucht! Um den Stellenabbau in unserem Werk aufzuhalten, fordern wir vom BR die Durchsetzung folgender Forderung gegenüber dem Management:

  • Fertigung der kompletten EDU in Berlin!

Am 15.02. haben wir die Petition mit den folgenden vier Forderungen, die 400 Kollegen im Werk Ende 2025 unterschrieben hatten, an die IGM-Bezirksleitung gesendet. Sie sind aktueller denn je:

  1. Kein weiterer Stellenabbau in unserem Werk! Keine Entlassungen! Kampf um alle 2.000 Arbeitsplätze sowohl bei Festangestellten als auch bei Leiharbeitern und Werkvertraglern!
  2. Keine Zwangsverschickungen in andere Werke!
  3. Sofortige Beendigung des Verkaufs eines Teils unserer Werksfläche!
  4. Unsere IGM muss einen Streik in allen deutschen Autowerken vorbereiten, der so lange andauert,bis der Stellenabbau gestoppt ist. Sie bedrohen nicht nur uns, sondern auch unsere Kollegen in Ludwigsfelde, Untertürkheim, Wolfsburg usw. Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle!

Die deutsche Industrie wird gerade in rasantem Tempo gegen die Wand gefahren. Rücksichtslose Verlagerungen, grüne Energiepolitik, Konfrontation gegen Russland und Unterwürfigkeit unter die USA machen die Lage untragbar. Die deutsche Industriearbeiterklasse steht vor einer Schicksalsstunde. Wollen wir, dass das gesamte Land so aussieht wie das Ruhrgebiet nach der fast vollständigen Zerstörung von Kohle und Stahl? Oder wie der Osten nach dem Wüten der Treuhand? Nichts weniger als das steht auf dem Spiel. Für die deutschen Kapitalisten scheint ein deindustrialisiertes Land eine Option zu sein. Wenn sie im eigenen Land nur noch einstellige Profitmargen erzielen, haben sie kein Problem damit, hier alle Zelte abzubrechen. Sie können ihre Profite in Billiglohn-Ländern weiter scheffeln. Für uns Arbeiter hingegen bedeutet die Deindustrialisierung die Zerstörung unserer Existenzgrundlage. Kein weiteres Werk darf geschlossen und kein Arbeitsplatz abgebaut werden. Das muss in dieser Tarifrunde an erster Stelle stehen und kompromisslos durchgekämpft werden.

Aber sie sollen bloß nicht auf die Idee kommen - so wie in der Pandemie -, ohne eine Lohnforderung in die Tarifrunde zu gehen. Zögernden Kollegen, die meinen, wir müssen jetzt die Füße stillhalten, raten wir, bei der Frage zu beginnen: Was brauchst du, um anständig über die Runden zu kommen? Das muss an erster Stelle stehen. Verzichtet haben wir oft genug - aus Rücksicht auf die Wettbewerbsfähigkeit und „das schwierige Marktumfeld“. Gebracht hat es nichts. Unsere Arbeitsplätze werden trotzdem verlagert. Auch mit den halbwegs guten Löhnen, die ein Teil von uns in der Metallindustrie noch bekommt, wird die Luft dünner. Die mickrigen Lohnerhöhungen der letzten Jahre bedeuteten angesichts der Inflation Reallohnverlust. 800€ mehr pro Monat wären eine Lohnerhöhung, die man im Portemonnaie spüren würde. Ein Festbetrag würde im Gegensatz zu einer prozentualen Erhöhung die unteren Lohngruppen entlasten.

Wir können uns aber nicht auf bloße Lohnforderungen beschränken. Es ist die gesamtpolitische Lage, die uns die Luft zum Atmen nimmt. Die Politik hat seit den 90ern Bedingungen für Unternehmer geschaffen, die deren Taschen üppig gefüllt haben: EU-Osterweiterung, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Leiharbeit und Werkverträge etc. Jetzt hat sie der deutschen Industrie eine ideologisch motivierte, grüne Energiepolitik verordnet, die die Zerstörung der Autoindustrie zur Folge hat. Während die Unternehmer diese Kröte zu schlucken scheinen, sagen wir: Zur Hölle mit diesem Öko-Wahnsinn! Wenn sie davon schwafeln, dass „wir alle“ das „Klima retten“ müssen, wissen wir, wer das am Ende bezahlen muss (siehe Spritpreise).

Mittlerweile sind wir an dem Punkt angekommen, wo uns eine Umstellung auf Rüstungsproduktion als Perspektive verkauft wird. Mal davon abgesehen, dass das nicht den Umfang hat, unsere Arbeitsplätze zu retten: Wohin führt diese wahnwitzige Aufrüstung? Sollen wir die Panzer, die wir künftig bauen sollen, irgendwann auch selbst an die Ostfront fahren? In den Betrieben lehnt ein großer Teil der Kollegen die Konfrontation gegen Russland ab, denn sie wissen, wer dafür zahlen muss. Wir brauchen wieder russisches Gas und Öl, das durch reparierte Pipelines ins Land kommt.Das würde uns erhebliche Erleichterung bringen.

Die IGM kann all das nicht durchsetzen? Doch, kann sie! Die IGM-Führung mischt bereits kräftig in der Politik mit. Nur eben leider, indem sie diese unterstützt. Das muss aufhören. Unsere Gewerkschaft muss endlich in Konfrontation zur Politik und Arbeitgebern gehen! Die IGM hätte die Macht, Himmel und Hölle loszutreten, um Arbeiterinteressen durchzusetzen.

Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall

Wir sind eine Gruppe von kämpferischen Kollegen aus unterschiedlichen Werksbereichen. In unseren Reihen findet ihr Arbeiter und Arbeiterinnen unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Zu uns zählen sowohl einfache IG-Metall-Miglieder als auch Vertrauensleute und Betriebsräte.

autoarbeiter.kampf@proton.me